19. Februar 2026 | Nicolas Di Maggio

Wirtschafts- und Marktüberblick

Die globale Konjunktur zeigt sich trotz Turbulenzen im Jahr 2025 resilienter als erwartet. Der von der US-Regierung ausgelöste Zoll-Konflikt und die möglichen Handelsbarrieren liessen Schlimmeres befürchten.

Exporteure konnten ihre Güter zum Teil über Drittstaaten umleiten oder fanden neue Absatzmärkte. Zudem wirkten die hohen Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie die unterstützende Finanz- und Geldpolitik positiv. Allerdings hat sich das Wachstum des Welthandels jüngst abgeschwächt und der Ausblick für das Jahr 2026 bleibt fragil. Schwache Arbeitsmarktdaten und eine eingetrübte Konsumentenstimmung deuten auf eine Konjunkturverlangsamung in den USA hin. In China leidet die Binnennachfrage weiterhin unter den Folgen der Immobilienkrise und besonders der Export in die USA kämpft mit den höheren Zöllen.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum blieb unterdurchschnittlich. Auch hier sorgen die höheren US-Importzölle für Unsicherheit und die angekündigten fiskalischen Massnahmen in Deutschland wirken zunehmend verzögert. Zudem leiden einige Sektoren, wie der Automobilsektor, unter strukturellen Veränderungen. Das globale Wachstum dürfte sich nach Schätzungen der OECD entsprechend von 3.2%, 2025 auf 2.9% im Jahr 2026 abschwächen. Die Prognoserisiken bleiben jedoch angesichts der geopolitischen Spannungen, der Verschärfung von Handelskonflikten und deren negativer Wirkung auf die Lieferketten hoch. Dies könnte zu einem weiteren Erstarken des Schweizer Frankens mit negativen Folgen auf die Exportwirtschaft führen.

Die Lage in der Schweiz:

Die Schweizer Wirtschaft entwickelte sich volatil. Das erste Halbjahr war von Vorzieheffekten geprägt und hat die Erwartungen zum Verlauf übertroffen. Im zweiten Halbjahr führten die globale Abschwächung und die US-Zölle jedoch zu einer schwächeren Entwicklung. Die Schweizer Konjunktur schrumpfte im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 0.5%. Über das ganze Jahr rechnet die Konjunkturforschungsstelle der ETH dennoch mit einem Zuwachs von 1.4%, was aber unter dem Potenzial liegt. Das Investitionsklima wird durch die globale Unsicherheit, die schwache Ertragslage vieler Unternehmen und die anhaltend tiefe Kapazitätsauslastung getrübt. Der private Konsum wirkt stabilisierend, obwohl die Beschäftigung sinkt und die Arbeitslosenquote leicht steigt. Dank tiefer Inflation senkte die SNB den Leitzins im Juni auf 0%.

Schweizer Wirtschaftsaussichten:

  • Stabile Inflationsentwicklung: Auch 2026 dürfte die Inflation nahe bei null bleiben. Ein starker Franken und tiefere Energiepreise dämpfen die Teuerung. Zudem wird sich die Referenzzinssatzsenkung vom September per Februar 2026 dämpfend auf die Mietpreisentwicklung auswirken.
  • Wirtschaftswachstum: Die Senkung der US-Zölle auf 15% verbessert die Aussichten leicht. Dennoch bleibt die Wachstumsprognose mit 1.1% (2026) und 1.7% (2027) unter dem Potenzial.
  • Arbeitsmarkt und Konsum: Die Schwächephase am Arbeitsmarkt setzt sich fort: Das Beschäftigungswachstum bleibt vorläufig schwach. Besonders in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie gingen durch die Zölle rund 10 000 Arbeitsstellen verloren. Die Arbeitslosenquote dürfte noch leicht steigen und bei 3.1% zu liegen kommen.

Konjunkturrisiken

Risiken gibt es einige und die meisten davon sind abwärtsgerichtet: Die Umsetzung der neuen bilateralen Zollregelung zwischen der Schweiz und den USA ist zeitlich offen und innenpolitische Widerstände könnten den Prozess verzögern. Die zugesagten Schweizer Investitionen in den USA könnten zu Verlagerungseffekten führen und die inländische Investitionstätigkeit dämpfen. Zudem steht die Pharmabranche vor Preissenkungsrisiken. Das angekündigte Sparprogramm des Bundes könnte restriktiver wirken als derzeit angenommen.

Auch Handelskonflikte, geopolitische Spannungen sowie potenzielle Störungen globaler Lieferketten könnten die Konjunktur weiter belasten. Eine weitere Aufwertung des Frankens würde die Exportwirtschaft zusätzlich schwächen. Positiv wirken hingegen könnten eine zügige Entspannung der geopolitischen Lage, ein rascherer Inflationsrückgang im Ausland oder eine schnellere und wirksamere Umsetzung fiskalpolitischer Impulse in Europa.

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Nicolas Di Maggio

CEO
Swiss Finance & Property AG

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