Trotz geopolitischer Unsicherheiten und steigender Marktzinsen bleibt die Schweizer Wirtschaft auf Wachstumskurs. Während der Immobilienmarkt von hoher Nachfrage und tiefen Zinsen profitiert, stehen die Finanzmärkte vor neuen Herausforderungen.
Die Weltwirtschaft ist zuletzt stärker gewachsen als erwartet. Für die kommenden Quartale zeichnet sich jedoch ein moderates Wachstum ab. Geopolitische Spannungen, höhere Energiepreise und Unsicherheiten in der Handelspolitik prägen das Umfeld. Die Schweizer Wirtschaft bleibt stabil, während sich die Immobilien- und Finanzmärkte unterschiedlich entwickeln.
Der Konflikt im Nahen Osten stellt weiterhin das grösste geopolitische Risiko dar. Eine weitere Eskalation könnte wichtige Handelswege beeinträchtigen, die Energiepreise zusätzlich erhöhen und das globale Wachstum bremsen. Bereits heute liegt die Inflation in vielen Ländern über den Zielwerten der Zentralbanken. Auch mögliche weitere US-Zölle sorgen für Unsicherheit und erschweren die Planung für Unternehmen. Die Leitzinsen liegen Ende September 2026 bei 3.875% in den USA, 2.50% im Euroraum, 3.75% im Vereinigten Königreich, 1.00% in Japan und 0.00% in der Schweiz.
Die Lage in der Schweiz
Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 um 1.5% gewachsen. Das Wachstum war breit abgestützt, wobei die chemisch-pharmazeutische Industrie einen bedeutenden Beitrag leistete. Auch die konjunkturellen Aussichten haben sich verbessert: Das KOF-Konjunkturbarometer legte im September erneut um 1.6 Punkte auf 109.1 zu. Positive Impulse kamen insbesondere aus der Industrie, den Dienstleistungen und dem Baugewerbe.
Der private Konsum bleibt eine wichtige Stütze. Die moderate Teuerung unterstützt die Kaufkraft, während die erhöhte Arbeitslosigkeit und die geopolitische Unsicherheit eine stärkere Belebung begrenzen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beliess ihren Leitzins im September unverändert bei 0%. Der zuletzt schwächere Franken entlastet zudem die Exportwirtschaft.
Schweizer Wirtschaftsaussichten
- Inflationsentwicklung: Im September lag die Teuerung bei 1.0%. Die SNB erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 0.7% und für 2027 von 0.8%. Höhere Energiepreise könnten die Teuerung kurzfristig weiter antreiben. Über die Prognoseperiode dürfte sie jedoch im Zielbereich der SNB bleiben.
- Wirtschaftswachstum: Bereinigt um die Einflüsse grosser Sportveranstaltungen liegen die Wachstumsprognosen für 2026 zwischen 1.5% und 2.0%. Für 2027 wird ein Zuwachs von rund 1.5% bis 1.6% erwartet. Die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 dürfte das Schweizer BIP-Wachstum um rund 0.4 Prozentpunkte erhöhen, da die Einnahmen der in Zürich ansässigen FIFA in die Schweizer Wirtschaftsstatistik einfliessen. Eine stärkere internationale Erholung könnte die Entwicklung zusätzlich unterstützen.
- Arbeitsmarkt und Konsum: Die Beschäftigung hat sich zuletzt positiv entwickelt, auch in Branchen mit einem hohen Bedarf an Büroflächen. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 bei 3.1% und 2027 bei 3.0% liegen. Der private Konsum wächst voraussichtlich moderat weiter und bleibt ein wichtiger, aber kein besonders dynamischer Wachstumstreiber.
Schweizer Immobilienmarkt
Der Mietwohnungsmarkt bleibt von einer hohen Nachfrage und einem knappen Angebot geprägt. Die Leerwohnungsziffer sank per 1. Juni 2026 auf 0.93%. Gleichzeitig lagen die Marktmieten für Wohnungen im zweiten Quartal landesweit 2.0% über dem Vorjahreswert. Die Zuwanderung hat sich zwar abgeschwächt, bleibt aber ein wichtiger Nachfragefaktor – insbesondere in den Zentren und gut erschlossenen Agglomerationen. Für Mehrfamilienhäuser werden 2026 und 2027 weiter steigende Mieten und Marktwerte erwartet. Gemäss Fahrländer Partner lagen die minimalen realen Netto-Diskontierungssätze für ein mittelgrosses Mehrfamilienhaus an einer Top-Mikrolage in Zürich per 15. September 2026 zwischen 1.75% und 2.00%, im Durchschnitt bei 1.86%. Die tiefen Zinsen und der Anlegerappetit führten zu tieferen Ankaufsrenditen, respektive zu höheren Transaktionspreisen.
Am Büromarkt zeigt sich ein regional unterschiedliches Bild. Gemäss Fahrländer Partner stiegen die Marktmieten in der Genferseeregion im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal um 3.1%, während sie im Mittelland um 2.0%, in Basel um 0.6% und in Zürich um 2.6% zurückgingen. Moderne, flexible und gut erreichbare Flächen bleiben im Vorteil. Die wieder steigende Bürobeschäftigung unterstützt die Nachfrage.
Bei Verkaufsflächen werden für die Jahre 2026 und 2027 insgesamt stabile Erträge und Marktwerte erwartet. Die regionale Lage bleibt jedoch entscheidend: Gut frequentierte Einkaufsstrassen behaupten sich, während periphere Standorte teilweise mit sinkender Nachfrage und rückläufigen Mieten konfrontiert sind. Das anhaltende Wachstum des Onlinehandels von zuletzt 6% verstärkt den Anpassungsdruck auf den stationären Handel.
Finanzmärkte und indirekte Immobilienanlagen
Die globalen Aktienmärkte lagen trotz der geopolitischen Spannungen gemessen am MSCI World in USD um 2% weiterhin im Plus. Er erzielte bis Ende September seit Jahresbeginn eine Rendite von 12.1% in US-Dollar. Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnete, gemessen am SPI, ein Plus von 7.6%, musste im dritten Quartal jedoch Verluste hinnehmen. Steigende Marktzinsen belasteten die Obligationenmärkte. Die positiven Meldungen aus dem KI-Bereich, besonders der grossen führenden Unternehmen, verhalfen besonders technologielastigen Indizes zu Kursavancen. Der Nasdaq notiert seit Jahresbeginn bei einem Plus von 16.1%. Inflationsdruck und die Erwartung von länger höheren, respektive steigenden Zinsen belasteten die Obligationenkurse. Zudem sorgten die Manöver des US-Treasury für Unsicherheit und für eine steilere Zinskurve.
Der Schweizer Aktienmarkt entwickelte sich im dritten Quartal zunächst leicht positiv, bevor dann anfangs September das Schwergewicht Novartis das Scheitern der Phase III-Studie gegen Muskelerkrankungen bekanntgab. Der SPI verlor im dritten Quartal um 2%, kann aber seit Jahresbeginn weiterhin ein Plus von 7.6% zeigen. Der Swiss Bond Index AAA-BBB TR Index verlor im dritten Quartal um 1.69% und über das ganze Jahr 1%. Auch wenn die SNB an ihrer letzten Sitzung vom September keine Anpassung an den Zinsen vorgenommen hat, hat sich der Marktkonsens hin zu steigenden Zinsen gedreht.
Auch kotierte Schweizer Immobilienanlagen gerieten im dritten Quartal unter Druck. Neben höheren Marktzinsen wirkten sich angekündigte Kapitalerhöhungen auf die Kurse aus. Das Volumen von Emissionen und Börsengängen erreichte bis Ende September knapp CHF 9.3 Mrd. und lag damit bereits nahe am Rekordwert des Vorjahres.
Seit Jahresbeginn verloren kotierte Immobilienfonds gemäss SWIIT Index bis Ende September 3.0%, während Immobiliengesellschaften gemäss REAL Index um 0.3% nachgaben. Immobilienanlagestiftungen erzielten gemäss KGAST Immo-Index in den ersten acht Monaten hingegen eine positive Rendite von 2.8%.
Ausblick
Die geopolitischen Risiken und mit ihnen der weitere Konjunktur- und Zinsverlauf stellen die grössten Risiken dar. Auch könnten erste negative Überraschungen des KI-Booms für Rückschläge an den Aktienmärkten sorgen. Zudem zeigen sich die Aktienmärkte mehrheitlich schwach und volatil vor den US-Zwischenwahlen, können jedoch aufgrund nachlassender politischer Unsicherheit danach zulegen. Für Schweizer Immobilienanlagen ist das Umfeld weiterhin positiv. Der anhaltende Investitionsdruck und infolgedessen tiefere Ankaufsrenditen dürften sich nochmals positiv in den Neubewertungen ausdrücken. Dennoch könnte eine Überraschung mit höheren Zinsen auch einen negativen Effekt auf den Kursverlauf der kotierten Fonds haben.
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CEO
Swiss Finance & Property AG
Senior Portfolio Manager Indirect Investments
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